Moscheebauten und ihr Konfliktpotenzial

Die Präsenz des Islam im Stadtbild


Zunehmend werden in Deutschland Moscheen geplant und gebaut und sind häufig der Auslöser für hitzige Debatten. Streitpunkte entstehen dabei oft durch die mangelnde Kommunikation zwischen den Akteuren. Der Vergleich zweier Moscheeprojekte zeigt jedoch, dass bei einer offenen Herangehensweise Konflikte umgangen bzw. vermieden werden können.
Die muslimischen Gemeinden in Deutschland zeigen Bestrebungen aus den „Hinterhöfen“ hervorzutreten und treiben den Moscheebau in deutschen Städten voran. Der Bau solcher religiösen Stätten ist durch das Grundrecht auf Religionsfreiheit nach Art. 4 des GG´es garantiert, und durch zahlreiche Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts konkretisiert worden. Jedoch
muss das legitime Anliegen der Muslime in Deutschland vor dem Hintergrund der ernst zu nehmenden Ängste der Bürgerinnen und Bürger betrachtet werden. Sowohl staatliche Behörden als auch zivilgesellschaftliche Organisationen sind gefordert für beiderseitige Offenheit, Transparenz
und Respekt zu sorgen, damit eine Eskalation der Interessenskonflikte vermieden werden kann.
Bei einem Moscheebauvorhaben können Konflikte aus verschiedensten Gründen entstehen. Zum einen können raumbezogene Bedenken der Anwohner geäußert werden. Hier entstehen Fragen zu Parkplatzproblemen im Falle eines Moscheebaus oder die Angst, die Mieteinnahmen könnten in der
Nähe der Moschee sinken. Außerdem empfinden viele Personen der Mehrheitsgesellschaft die Architektur von Moscheen als befremdlich. Der Bau einer Moschee birgt oftmals auch ethnischkulturelle Probleme. Hierunter fällt zum Beispiel die Furcht vor einer vermeidlichen Orientalisierung. Vielfach löst der Moscheebau auch tieferliegende Ängste der Mehrheitsgesellschaft aus und die Debatten drehen sich weniger um den eigentlich Bau eines Gotteshauses als um Grundsatzfragen zur islamischen Religion. An vielen Stellen werden die
Moscheebauvereine überfordert, indem sie sich nicht nur zu Fragen hinsichtlich ihres Moscheebau äußern müssen, sondern auch noch verpflichtet werden, Stellung zu Themen wie „Islamismus“ und „Terrorismus“ zu beziehen. Oft wird die Furcht vor letzerem auch von rechtsradikalen Organisationen instrumentalisiert.
Eine besondere Verantwortung kommt den Medien und ihrer Berichterstattung zu, denn diese können Konflikte nicht nur verstärken, sondern auch hervorrufen, wie im Fall des Moscheebaus in Bobingen. Damals präsentierte die Bild-Zeitung eine Münchener Moschee als die Bobinger Moschee neben der Bobinger Kirche und verzerrte dabei die Größenverhältnisse so sehr, dass es
schien, als stelle die massive Moschee die andere Kirche in den Schatten. Dieses suggerierte edrohung und brachte viel Aufruhr in die bayrische Stadt.
Interessant erscheint jedoch, dass in anderen Städten der Bau einer Moschee reibungslos verlief.
Das liegt an der unterschiedlichen Herangehensweise von Kommunen und Akteuren bei der Planung und Durchführung dieser Vorhaben.

Seit dem Jahr 2009 wird in Köln-Ehrenfeld an einer repräsentativen Zentralmoschee gebaut, die auch jüngst wieder wegen Uneinigkeiten zwischen ihrem Auftraggeber DITIB und dem Architekten Paul Böhm in der Presse war. Diese Streitigkeiten sind jedoch harmlos im Vergleich zu den Kontroversen, die die Ehrenfelder Moschee bereits vor ihrem Bau in der Stadt Köln und über deren
Stadtgrenzen hinaus auslöste. Insbesondere ab 2007 gab es Proteste und Gegenproteste und prominente Gegner und Befürworter des Bauprojektes führten eine lautstarke Diskussion darüber, ob und wie eine Zentralmoschee in Köln erbaut werden sollte.
Ganz anders scheint hingegen der Fall der Errichtung der Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh zu liegen. Die bereits im Jahr 2008 fertig gestellte Moschee, die ein Provisorium in der früheren Zechenkantine ersetzte, löste keinerlei Bürgerproteste aus. Auch von Debatten um die Bedrohung des Abendlandes, wie sie von einigen Kritikern in Köln heraufbeschworen wurde, war man hier weit entfernt. Wie ist dieser Unterschied zu erklären? In beiden Fällen handelt es sich um Großstädte in Nordrhein-Westfalen mit einem vergleichbar hohen Migrantenanteil. Ein wesentlicher Unterschied lag jedoch anscheinend in der Kommunikation selbst: Die Gemeinde in Duisburg-Marxloh suchte frühzeitig den
Dialog mit den Nachbarn, den Bewohnern des Viertels und gründete einen Beirat, in dem politische Parteien, Vereine, Kirchen und Anwohner vertreten waren. In Köln geschahen solche ersten Schritte in Richtung Bürgerbeteiligung erst vier Jahre später, als man mit der Planung begonnen hatte und ein Jahr nach der Durchführung des öffentlichen Architekturwettbewerb. Hinzu kamen
Missverständnisse und eine mangelnde Informationspolitik des Bauherren über die Finanzierungsquellen und die geplante Größe der Moschee. In dieser frühen Phase konnte das Themenfeld so von rechtspopulitischen Gruppierungen wie ProKöln, aber auch von Teilen der Presse negativ besetzt werden, um so die Bedenken der Kölner Stadtbevölkerung zu schüren. So stand bald nicht mehr nur der Bau der Moschee zur Diskussion, sondern das Verhältnis von Islam
und Christentum generell. Der Wunsch einer Gemeinde nach einem Gotteshaus wurde zu einem Kulturkampf hochstilisiert. Der Entschluss in Duisburg-Marxloh von Anfang an die Öffentlichkeit zu gehen und die Vernetzung aller Beteiligten und Interessierten zu suchen, hat geholfen, derartige Konflikte zu vermeiden.
Gezielte Informationsveranstaltungen über das Bauprojekt und den Islam trugen dazu bei, die Entfremdungsfurcht der Anwohner zu lindern. Die Finanzierung wurde völlig transparent durchgeführt, u.a. auch über das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ und das EU-Programm „Urban“. Gleichzeitig wurde von Seiten der Stadt Duisburg angeregt, die Moschee nicht nur als Gebetshaus, sondern auch als Bildungs- und Begegnungsstätte zu etablieren. Unter diesen Voraussetzungen konnte der Bau nahezu reibungslos durchgeführt werden.


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